Stanley Kubrick
Kein ein Regissuer der gesamten Filmgeschichte wird so einstimmig von allen Kritikern, Filmemachern, Schauspielern, ja selbst den Studiobossen so hoch gehalten wie Stanley Kubrick.
Er gilt als ein Monument des Films, der sich vor allem durch eine geradezu unheimliche philosophische und anthtopologische Tiefe in all seinen Filmen ausgezeichnet hat. Als unverbesserlicher Perfektionist, und als ein ewiges Geheimnis ist er nicht nur in die Filmgeschichte eingegangen. Denn als die Amerikaner am 20. Juli 1969 live die Mondlandung übertrugen, fielen jedem, der Kubricks 2001: A Space Odyssey ein Jahr vorher gesehen hatte, unabweisliche Ähnlichkeiten auf. Tatsächlich gibt es viele Einstellungen in 2001, die dasselbe Licht, die Kostüme, ja selbst die Schwerelosigkeit so exakt darstellen, wie sie jeder Amerikaner erst ein Jahr später bei der "echten" Mondlandung sehen konnte. Sofort wurden etliche Verschwörungstheorien verfasst. Stanley Kubrick solle von der Regierung angeheuert sein, um die größte Lüge der amerikanischen Probaganda zu filmen. Und wenn man genau drüber nachdenkt, wer sonst? Da sich Kubrick selbst nie zu den Behauptungen äußerte, und auch sonst ein sehr zurückgezogenes Leben in England führte, werden wir es wohl nie mit Sicherheit wissen. Fest steht jedoch, falls die Mondlandung ein Fake war, dann war niemand anderes besser geeignet, ihn zu inszenieren, als Kubrick. Denn schon ein seinem vorherigem Film Dr. Strangelove, or how i learned to stop worrying, and love the bomb (1964) gibt es Kulissen, die bei der Regierung für Aufruhr sorgten. Zum Beispiel der "War Room", in dem der (fiktive) Amerikanische Präsident mit dem Ex-Naziwissenschaftler Dr. Seltsam (engl. Dr. Strangelove), über die immer erträglicher wirkende Möglichkeit eines nuklearen Weltkrieges und dessen Potenzial diskutiert, veranlasste die CIA dazu, Kubrick in einem geheimen Brief um die Offenbarung seiner Quellen zu bitten.
Doch das blieben nicht die einzigen Filme Kubrick's, die für gesellschaftliche Kontroversen sorgten. Nach der Erstaustrahlung seines 1971 gedrehten Films A Clockwork Orange gab es in England heftige Proteste. Die Gewaltbereitschaft der Protagonisten, ihr regelrechter Sadismus, und die erstmalig hell ausgeleuchtete Vergewaltigungsszene der Kinogeschichte, sollen die Jugend aufgehetzt haben. Tatsächlich gab es kurz nach Kassenbeginn einen enormen Anstieg der Kriminalität, hauptsächlich Jugendbanden, die sich wie Alex' Droogies im Film kleideten (schwarze Timberland Boots, weiße Denim Jeans mit Hosenträgern) und Senioren terrorisierten. Aber auch Morde sollen durch die gewaltverherrlichende Darstellung des Films verursacht worden sein. Und auch hier ist die Reaktion des Regisseurs einzigartig: Er bat die Warner Brothers Inc., den Film aus den brittischen Kinos zu nehmen, und dass schon nach zwei Wochen. Was bei anderen Regisseuren als Witz verstanden-, und ignoriert worden wäre, zeigte in seinem Fall Wirkung. Zu profitabel, und auch schlichtweg zu gut, war er, als dass sich das Studio (!) erlauben konnte, es sich mit ihm für ein paar billige Schuhe mehr in den Kinosälen zu verscherzen.
Nach diesem einschneidenden Erlebnis wollte Kubrick einen etwas weniger kontroversen Film machen. Er entschloss sich zu Barry Lyndon (1975), der im 18. Jhd handelt, und den Aufstieg und Fall des irischen Adelssohnes Redmond Barry in sehr langen, romatischen Bildern darstellt. In Amerika für langweilig, und schnöde befunden, so wurde er in Europa als wunderschön, zutiefst bildstark und formvollendet gefeiert. Die Austattung Schuhe und Mode entsprachen exakt der damaligen Zeit) wurde mit einem Oscar ausgezeichnet. Fünf Jahre später folgte der weltweite Kassenerfolg Shining, der wie kein anderer Film der Entwicklung des Wahnsinn seines Protagonisten folgt. Dann, sieben Jahre später, kam endlich Full Metal Jacket auf die Leinwand, der schließlich als erster "echter" Kriegsfilm in die Kinogeschichte eingehen sollte. Nach etlichen weiteren Drehbuchideen, die er allesamt an andere Regisseure abgab (z.B.: Schindlers List, A.I. Artificial Intelligence), da sie ihm anthropologisch zu "optimistisch" gewesen wären, schaffte er es schließlich, zwölf Jahre nach seinem letzten Projekt, Eyes Wide Shut zu produzieren. Insgesamt drei Jahre stecken in diesem Film, davon zwei Jahre Drehzeit. Zum Teil sollen Monate vergangen sein, bis Kubrick eine einzelne Einstellung für gut genug befand. Der Film wurde ein großer Erfolg. Sowohl beim Publikum, als auch bei anderen Filmemachern. Doch Eyes Wide Shut sollte 1999 der letzte Film Kubrick's werden, da er, wie als würde der ganze Druck der letzten zwölf Jahre von ihm abgefallen sein, zwei Wochen nach der Primiere, in seinem Landhaus in England starb. Er selbst, betonte seine Frau im Nachruf, habe nie etwas bereut, ausser nicht mehr Filme gemacht haben zu können...